Wie es wirklich war (36)

Die Ostdeutschen wurden nicht nur 40 Jahre lang über den Zustand ihrer piefigen kleinen Diktatur belogen und betrogen, sondern 28 Jahre lang insbesondere über die Geschichte der einzigen Institution der DDR, die aus Versehen funktionierte. Tatsächlich sah der ursprüngliche Bauplan vor, die Mauer aus mit Plastekugeln gefüllten Gabionen aus dem „VEB Bällebad“ zu errichten, damit die Unterdrückten wenigstens etwas fürs Auge hätten. Aufgrund der Unfähigkeit der Betriebsleitung wurden die Fertigteile aber aus Beton gegossen. Die DDR-Bürger fanden das Bauwerk so hässlich, dass sich die überwiegende Mehrheit weigerte, darüber zu sprechen oder gar in die Nähe dieser Monstrosität zu gehen.

What it really was like – East Germans were not only lied to and deceived for 40 years about the state of their petty little dictatorship, but for 28 years, especially about the history of the GDR’s only institution that functioned by accident. In fact, the original construction plan called for the wall to be built from gabions filled with plastic balls from the „VEB Ball Pool“ so that the oppressed would at least have something to look at. However, due to the incompetence of the management, the prefabricated elements were cast in concrete. The GDR citizens found the structure so ugly that the vast majority refused to talk about it or even go near this monstrosity.

Im Café Ritter in Wien

Der junge Herr Ober richtet direkt neben mir an und jedes Mal, wenn er etwas fertig gemacht hat, sagt er „So!“ Außerdem ist er ein Witzbold. Als er mir zu Mittag eine Cola bringt, fragt er neckisch: „Cola Rum?“ und als eine Dame, die allein ist, zahlen möchte, fragt er „Zusammen oder getrennt?“ Was man halt so macht, um sich die Arbeit angenehmer zu gestalten. Als eine spanische Familie in seinem Bereich sitzt, parliert er mehr schlecht als recht in fremder Zunge, und als sie gehen, ruft er ihnen ein fröhliches „Adios!“ nach und raunzt dann halblaut „Schleichts Euch!“ hinterher. Dann sagt er „So!“ und widmet sich der nächsten Aufgabe.

At Café Ritter in Vienna – The young waiter prepares right next to me, and every time he’s finished something, he says, „Well!“ He’s also a joker. When he brings me a Coke for lunch, he teasingly asks, „Rum Coke?“ And when a woman, alone, wants to pay, he asks, „Together or separately?“ The usual things you do to make work more pleasant. When a Spanish family sits in his area, he converses more or less in a foreign tongue, and as they leave, he calls out a cheerful „Adios!“ and then growls after them in a low voice, „Get lost!“ Then he says, „Well!“ and moves on to the next task.

Wie es wirklich war (35)

Schon als kleiner Engel ist Luzifer ständig hingefallen, meist auf den Kopf, wodurch seine Motorik freilich noch mehr gelitten hat. Darum ist es wirklich eine Gemeinheit, dass ihm religiöse Eiferer das Fallen heute noch vorwerfen. Ausgerechnet die Frömmler haben wirklich keinen Grund, sich über geistig Behinderte lustig zu machen.

How it really was – Even as a little angel, Lucifer constantly fell, usually on his head, which, of course, further impaired his motor skills. Therefore, it’s truly cruel that religious zealots still accuse him of falling today. These bigots, of all people, have absolutely no reason to make fun of the mentally disabled.

Heute auf der Tageskarte

Gebackene Kinderbacken sind sicher so schmackhaft wie gebackene Kalbsbäckchen, aber ist das mit den Kinderschutzgesetzen zu vereinbaren? Anscheinend ja, darum bitte einmal mit Bratkartoffeln.

On today’s menu – Baked children’s cheeks are certainly as tasty as baked veal cheeks, but is that compatible with child protection laws? Apparently, yes, so please serve them with fried potatoes.

Wie es wirklich war (34)

Der Sturm auf die Bastille wird leider immer noch falsch interpretiert. Tatsächlich ging es den Stürmern gar nicht um die Befreiung der in der Festung Inhaftierten, denn diese war ein Luxusknast für in Ungnade gefallene Adelige. Während der Adel außerhalb der Bastille den dritten Stand bis aufs Blut auspresste, labten sich die in der Bastille Gefangenen an eben diesem, das verdünnt und gezuckert gereicht wurde, wie es damals in Mode war. Heutzutage würde man Wurst daraus machen, aber wir leben halt auch in wenig zivilisierten Zeiten.

What it was really like – The storming of the Bastille is unfortunately still misinterpreted. In fact, the stormers weren’t even concerned with freeing the prisoners in the fortress, as it was a luxury prison for disgraced noblemen. While the nobility outside the Bastille squeezed the Third Estate dry, the prisoners inside the Bastille feasted on the rest, served diluted and sugared, as was fashionable at the time. Today, they’d make sausage out of it, but we live in less than civilized times.

(Foto von / Picture by Peter Neuhaus)