Komisches Dänemark (1)

Während die deutsche Sprache sowohl nach Präzision wie auch nach Effizienz strebt und darum die Abkürzung aber auch das Kompositum bevorzugt, macht die dänische Sprache, was jeder normale Mensch machen würde: Ein Fahrrad mit Motor ist kein Moped, sondern ein ‚Knallert‘, weil es das eben tut. Ich würde das Ding zwar eher ‚Stinkert‘ nennen, aber ich bin ja auch kein Däne. – Noch ein kultureller Unterschied, der mit der Elektrifizierung der Welt bedeutungslos werden wird.

Funny Difference – While the German language strives for both precision and efficiency and therefore favors abbreviations and compound nouns, the Danish language does what any normal person would do: A bicycle with a motor is not a moped, but a ‚Knallert‘, because that’s what it does. I’d rather call the thing a ‚Stinkert‘, but then, I’m not Danish. – Another cultural difference that will become meaningless with the electrification of the world.

Dafür kann ich nun wirklich nichts!

Neulich bekam ich einen Strafzettel über 3 Millionen Euro und 15600 Punkte im Fahreignungsregister in Flensburg, weil mein Schatten in einer verkehrsberuhigten Zone angeblich mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs gewesen sei. Als ich mich damit verteidigte, dass er das schon immer so gemacht habe, bekam ich obendrein achtzehn Monate schwere Festungshaft. Als Fußgänger hat man in Deutschland einfach die Arschkarte.

I really can’t do anything about that! – Recently, I received a €3 million ticket and 15,600 points on my driving record in Flensburg because my shadow was allegedly traveling at the speed of light in a traffic-calmed zone. When I defended myself by saying he’d always done it that way, I was given eighteen months of imprisonment on top of that. As a pedestrian in Germany, you’re just at a disadvantage.

Wie es wirklich war (37)

Angeblich wurde das berühmte Restaurant Noma in Kopenhagen geschlossen, weil der Chefkoch den Geschmack seiner eigenen Zunge nicht mehr ertragen konnte, aber tatsächlich war der Andrang der Gäste so hoch, dass nur noch eingelassen wurde, wer mindestens 50 Klimmzüge an den Ringen schafft. Der einzige Gast, der diese Prüfung bestanden hat, bekam dadurch einen solchen Muskelkater, dass er die Gabel nicht mehr halten konnte. Verständlich, dass die Leute inzwischen lieber zum Italiener gehen.

What really happend – The famous Noma restaurant in Copenhagen was supposedly closed because the chef could no longer bear the taste of his own tongue, but in reality, the rush of guests was so heavy that only those who could do at least 50 pull-ups on the rings were allowed in. The only guest who passed this test got such sore muscles that he could no longer hold his fork. It’s understandable that people now prefer to go to Italian restaurants.

Schön wär‘s

Das kleine Flüsschen Eider war einmal die Grenze zwischen den Sachsen im Süden und den Dänen im Norden. Hätten sich die Sachsen damals am Flussufer auf eine Bank gesetzt und sich die andere Seite in Ruhe angesehen, wären sie zu der Erkenntnis gekommen, dass es drüben genauso aussieht wie auf ihrer Seite und man hätte sich gute 1000 Jahre Mord und Totschlag sparen können. Heute sieht es nördlich wie südlich nicht viel anders aus als damals und niemand würde auf die Idee kommen, sich für dieses wenig aufregende Fleckchen Erde die Schädel einzuschlagen. Vielleicht hat die Menschheit ja doch aus der Geschichte gelernt.

That would be nice – The small Eider River once formed the border between the Saxons in the south and the Danes in the north. If the Saxons had sat on a bench on the riverbank and taken a leisurely look at the other side, they would have realized that it looked exactly the same on the other side, and they could have saved themselves a good 1,000 years of murder and manslaughter. Today, north and south don’t look much different than they did back then, and no one would think of bashing their heads in for this unexciting patch of land. Perhaps humanity has learned from history after all.

Die Abenteuer von Pavel Havel (6)

Eines Tages fand Pavel Havel, der berühmte tschechische Abenteurer und Großmeister aller Klassen die berühmte Nordwestpassage, die bekanntlich ganzjährig zugeschneit ist. Weil Pavel Havel aber ein Mann der Tat ist und es überhaupt nicht schätzt, dass dem Fortschritt Schneeberge in den Weg gestellt werden, lieh er sich kurzerhand einen Schneepflug und räumte die Passage frei! Der kleine Mann auf der Straße hält das vermutlich nicht für eine große Sache, aber er hat vermutlich auch keine Ahnung, wie schwer es ist, mitten im Hochsommer einen Schneepflug zu leihen. Wenn der kleine Mann auf der Straße auch nur ahnen könnte, wem er es zu verdanken hat, dass er nun ganzjährig sowohl auf den Straßen im Westen als auch im Norden gehen und stehen kann, wäre es ihm mit Sicherheit dennoch völlig gleichgültig. Aber Pavel Havel ist das gewohnt, keine große Sache.

The Adventures of Pavel Havel – One day, Pavel Havel, the famous Czech adventurer and grandmaster of all trades, found the famous Northwest Passage, which, as we all know, is snow-covered year-round. But because Pavel Havel is a man of action and doesn’t appreciate mountains of snow standing in the way of progress, he promptly borrowed a snowplow and cleared the passage! The average man on the street probably doesn’t think this is a big deal, but he probably also has no idea how difficult it is to rent a snowplow in the middle of summer. If the average man on the street could even guess who he has to thank for the fact that he can now walk and stand on the streets both in the west and in the north all year round, he would certainly still be completely indifferent. But Pavel Havel is used to it; it’s no big deal.

Im Pfudl in Wien

Kein Kaffeehaus, aber zwischen zwei kleinen Braunen braucht man hin und wieder ein gutes Schnitzel. Der etwas aufgeschwemmte Kellner sieht naturgemäß aus wie Qualtingers Herr Karl, er redet aber zum Glück nicht so viel. Die andere Bedienung stellt mir ebenso wortlos einen Espresso hin, den ich nicht bestellt habe, und nimmt ihn wieder mit, als ich ihn trinken will. Vermutlich hat sie mir angesehen, dass ich gerade Kaffeejause hatte und keinen Kaffee brauchte. Wenn ich einen Kaffee bräuchte, würde ich auch lieber ins Sperl gehen, wo es tatsächlich einen Herrn Karl gibt, der aber nicht aussieht wie der Herr Karl, nicht mal wie ein junger Qualtinger. Wien scheint gerade a bissl durcheinander zu sein. – Endlich bringt der falsche Herr Karl ein richtiges Schnitzel und alles ist wieder gut.

At the Pfudl in Vienna – Not a coffee house, but between two espressos you need a good schnitzel every now and then. The somewhat bloated waiter naturally looks like Qualtinger’s Herr Karl, but thankfully he doesn’t talk as much. The other waitress, just as silently, puts an espresso I didn’t order in front of me and takes it away when I’m about to drink it. She probably noticed that I was just having a coffee break and didn’t need it. If I needed a coffee, I’d rather go to the Sperl, where there actually is a Herr Karl, but he doesn’t look like Herr Karl, not even like a young Qualtinger. Vienna seems to be a bit confused right now. Finally, the fake Herr Karl brings me a proper schnitzel, and everything is fine again.

Am Tag vor dem Tag danach (9)

Rückblickend hätte die Menschheit schon misstrauisch werden müssen, dass von einem Tag auf den anderen sämtliche Pflanzen vor den Häusern herumlungerten. Niemand wusste, was sie dort wollten. Rückblickend wie gesagt, ist es offensichtlich, dass sie etwas wussten und darauf warteten, in die freiwerdenden Wohnungen einzuziehen. Nun, da sie sich den bisher von der Menschheit beanspruchten Raum zurückgeholt haben, ist aber leider niemand mehr da, der zurückblicken und ex post klugscheißen kann.

The day before the day after – In retrospect, humanity should have been suspicious that, from one day to the next, all the plants were lurking in front of the houses. No one knew what they were doing there. In retrospect, as I said, it’s obvious that they knew something and were waiting to move into the vacant apartments. Now that they’ve reclaimed the space previously claimed by humanity, unfortunately, there’s no one left to look back and be wise after the fact.

Fake it till you make it

Gelogen war es nicht, dass mein neuestes Stück auf dem Broadway aufgeführt wird, aber dass es sich um ein kleines Theater in Neuseeland handelt, dessen Inhaber einen meiner Texte für Sockenpuppen dramatisiert hat, muss man ja nicht an die große Glocke hängen.

Fake it till you make it – It wasn’t a lie that my latest play was being performed on Broadway, but the fact that it was a small theater in New Zealand whose owner dramatized one of my texts for sock puppets is something that doesn’t need to be made public.