Andere Länder, andere Widersprüche

In Auckland an einer Ampel wartend spricht mich ein irgendwie orientalisch aussehender Mann an: Es sei viel zu heiß, jammert er, dabei hat es 14 Grad und es geht ein kühler Wind, denn hier ist gerade Winter. Vielleicht liege es daran, dass er eine zu dicke Daunenjacke trage, gebe ich zu bedenken, aber das ignoriert er. Wir machen also small talk über das Wetter und es stellt sich heraus, dass er ein aus Oslo stammender Norweger ist, der nun hier lebt, und zwar viel lieber als in Norwegen, denn er möge es gerne warm und hier sei das Wetter generell besser. Obwohl es in diesem Moment zu regnen anfängt, widerspreche ich nicht. Als Tourist soll man nicht naseweis sein.

Different countries, different contradictions – Waiting at a traffic light in Auckland, a somehow oriental-looking man speaks to me: It’s much too hot, he complains, but in fact it’s 14 degrees and there’s a cool wind, because it’s winter here right now. Maybe it’s because he’s wearing a down jacket that’s too thick, I suggest, but he ignores that. So we make small talk about the weather and it turns out that he is a Norwegian from Oslo who now lives here and prefers it to Norway because he likes it warm and the weather is generally better here. Although it starts raining at that moment, I don’t disagree. As a tourist you shouldn’t be cheeky.

Manche mögen’s heiß

Im Museumscafé in Auckland fragt mich die Bedienung, ob ich den Brownie ‚heated’ haben will. Der Kiwi erhitzt nämlich alles Essbare gerne, vermutlich weil es in den zugigen Holzhäusern ohne Zentralheizung so kalt ist. Man stelle sich vor, in einem deutschen Café würde man gefragt, ob man das Stück Schwarzwälder Kirschtorte gerne aufgewärmt haben möchte. Das gäbe Mord und Totschlag.

Some like it hot – At the museum café in Auckland, the waitress asked me if I wanted the brownie heated. The kiwi likes to heat everything edible, probably because it is so cold in the drafty wooden houses without central heating. Imagine being asked in a German café if you would like a slice of Black Forest Cake warmed up. That would be murder and manslaughter.

Too much information

Die Neuseeländer sind wirklich nett, höflich und zuvorkommend, aber manchmal auch ein bisschen zu aufmerksam. So werde ich, anscheinend wegen meines Akzents, jeden Tag zutreffend aber ungefragt mehrmals darüber informiert, dass ich aus Deutschland komme, wobei ich ja ans andere Ende der Welt geflogen bin, um genau diesen Umstand mal vergessen zu dürfen.

Too much information – The New Zealanders are really nice, polite and courteous, but sometimes a bit too attentive. So, apparently because of my accent, I am informed several times every day, correctly but without having asked for, that I come from Germany, although I flew to the other end of the world to be able to forget exactly this fact.

Frieren bei Freunden

Im Mai und Juni war ich am anderen Ende der Welt in Neuseeland und habe Susi, Paddy und Harvey (Davidson) auf ihrem Campingplatz in Hawke’s Bay besucht. Auf dem Sofa im Wohnzimmer ließ sich gut zeichnen, aber weil gerade der Winter begann, war ich ein bisschen zu weit entfernt von der einzigen Wärmequelle. Doch ich habe gelernt, dass Frieren für die Kiwis Teil ihres lifestyle ist und man eisiges Regenwetter am besten in T-Shirt, kurzen Hosen und barfuß ignoriert.

Freezing with friends – In May and June I was at the other end of the world in New Zealand and visited Susi, Paddy and Harvey (Davidson) at their campsite in Hawke’s Bay. On the sofa in the living room, it was easy to draw, but because winter started, I was a bit too far away from the only heat source. But I have learned that freezing is part of their lifestyle for the Kiwi’s and the best way to ignore icy rainy weather is T-shirt, shorts and barefoot.

Neues von Karen, aber mit glücklichem Ende

Letzten Sommer traf Karen endlich ihren Traummann

und obwohl es bald schon schwierig wurde, glaubte sie daran, die Beziehung retten zu können.

Allerdings blieb ihr dann doch nichts anderes übrig, als den Typen während eines Theaterbesuchs zu erschießen.

Seitdem gestaltet sie in der Gefängniswerkstatt Covid-Schutzmasken mit selbstentworfenen Mustern und ist sehr zufrieden.

News from Karen, but with a happy ending – Karen finally met her dream man last summer, and although it soon became difficult, she believed that she was able to save the relationship. However, she had no choice but to shoot the guy during a visit to the theater. Since then she has designed Covid protection masks with self-designed patterns in the prison workshop and is very satisfied.

(gesehen in / seen in Singapore)

Ist Deutschland noch eine Kulturnation?

Während die Friedenskundgebung „Sound of Peace“ am Brandenburger Tor die ungeteilte Aufmerksamkeit der Medien genießen durfte, obwohl ein Auftritt von Peter Maffay eigentlich als Kriegserklärung an Geschmack und Gehör gewertet werden sollte, musste die zeitgleich stattfindende Solidaritätsaktion des deutschen Bäckerhandwerks „Kleine Brötchen backen für den Frieden“ wegen ausbleibender Besucher abgebrochen werden. Das ist doch wirklich eine Schande!

Is Germany still a cultural nation? – While the „Sound of Peace“ peace rally at the Brandenburg Gate enjoyed the undivided attention of the media, although a performance by Peter Maffay should actually be interpreted as a declaration of war on taste and hearing, the solidarity campaign by the German bakery trade „Bake small rolls for the Peace” had to be canceled due to a lack of visitors. That’s really a shame! (‚kleine Brötchen backen‘ means ‚to set one’s sights lower‘)

Wie es wirklich war (13)

Herbert v. Karajan leitet am 2. Juni 1939 die misslungene Aufführung der Meistersinger von Nürnberg in der Berliner Staatsoper, woraufhin Hitler entschied, dass Karajan niemals bei den Bayreuther Festspielen dirigieren dürfe. 1951 hat man ihn dort dann doch noch auftreten lassen, aber auch nur, weil Hitler ein paar Jahre zuvor sein Abonnement gekündigt hatte.

How it really was – On June 2, 1939, Herbert v. Karajan conducted the unsuccessful performance of Die Meistersinger von Nürnberg at the Berlin State Opera, whereupon Hitler decided that Karajan should never conduct at the Bayreuth Festival. In 1951 he was still allowed to perform there, but only because Hitler had canceled his subscription a few years earlier.

Keine Ahnung

Ich weiß auch nicht, was passiert ist. Plötzlich habe ich den Kopf verloren. Was soll ich denn jetzt machen?

No idea – I don’t know what happened either. Suddenly I lost my head. What should I do now?

(gesehen in / seen in Venezia)

Das Wochenende fängt ja gut an

An einer Baustelle stehen zwei Leute in gelben Warnwesten, um die Passanten sicher über die drei Meter Straße zu bringen. Einer wünscht mir einen schönen Freitag. An der Bushaltestelle ein paar Meter weiter steht ein Mann und macht widerliche schmatzende Geräusche, die Frau daneben furzt mehrmals. Schöner kann der Freitag tatsächlich nicht mehr werden, nicht einmal mit viel Bier.

The weekend is off to a good start – Two people in yellow safety vests are standing at a construction site to get passers-by safely across the three-meter road. One wishes me a nice Friday. A man stands at the bus stop a few meters away and makes disgusting smacking noises, the woman next to him farts several times. Friday really couldn’t get any better, not even with a lot of beer.

Gnade der frühen Geburt

Heute sah ich eine junge Frau mit einem Scooter mitten auf der Straße fahren, allerdings hatte sie eine Sonnenbrille und so große Kopfhörer auf, dass sie unmöglich etwas von der Außenwelt wahrgenommen haben dürfte. Außerdem trug sie Hotpants, aber auch eine Daunenjacke. Zum Glück bin ich alt genug, um das nicht mehr verstehen zu müssen.

Grace of early birth – Today I saw a young woman riding a scooter in the middle of the street, but she was wearing sunglasses and headphones so big that she couldn’t possibly have sensed anything of the outside world. She wore hot pants, but also a down jacket. Luckily I’m old enough not to have to understand that anymore.