Anekdote

Ein Herr nahm ein Schaumbad und schlief dabei ein. Das Wasser drang ihm in Mund, Nase und Ohren, lief Speise- und Luftröhre hinab und füllte binnen kurzer Zeit die Hohlräume des Körpers. Der Herr war ein Gefäß geworden, man könnte sagen, er ist ertrunken. Das Wasser stand ihm bis zum Hals und in seinem Rachen knisterte Schaum. Eine Seifenblase platzte geräuschlos. Der Herr musste niesen und erwachte zu seiner Überraschung in einer gänzlich leeren Wanne.
Am Abend suchte er sein Stammlokal auf, und die Art und Weise, wie er diese bemerkenswerte Anekdote zum Besten gab, erheiterte sein Publikum ungemein, zumal sich mit jedem Wort Seifenlauge aus ihm ergoss.

Anecdote
A gentleman took a bubble bath and fell asleep. The water penetrated his mouth, nose and ears, ran down the esophagus and windpipe and within a short time filled the cavities of the body. The gentleman had become a vessel, you could say he drowned. The water was up to his neck and foam crackled in his throat. A soap bubble popped noiselessly. The gentleman had to sneeze and to his surprise woke up in a completely empty tub.
In the evening he went to his local pub, and the way in which he told this remarkable anecdote amused his audience immensely, especially since soapy water poured out of him with every word.

Aus / from: „Meine Damen und Herren“

Was gibt’s da zu glotzen?

Wenn einen wildfremde Menschen anglotzen als habe man einen großen Pickel im Gesicht, dann muss man sich nichts denken, die meisten Menschen können einen Pickel nicht von einer Nase unterscheiden, aber wenn einen sogar das Bier anglotzt – wie soll man da nicht zum Trinker werden?

You looking at me?
If a complete stranger stares at you as if you have a big pimple on your face, you don’t have to think about it, most people can’t tell a pimple from a nose, but if even the beer is gawking at you – how can you not become a drinker?

Puskas fürchtet, wahnsinnig zu werden

Puskas fürchtet, eines Tages wahnsinnig zu werden. Er könne an nichts anderes mehr denken als daran, wie es wäre, wahnsinnig zu werden. Seit Tagen treibe ihn nur noch dieser eine Gedanke um, er wache eines Morgens auf und sei wahnsinnig. Oder er sitze beim Abendbrot und mir nichts dir nichts werde er wahnsinnig. Eben noch wäre er nicht wahnsinnig gewesen und im nächsten Augenblick schon würde er wahnsinnig. Dieser Gedanke mache ihn verrückt. Er könne es schon kaum mehr ertragen, daran zu denken, wie es wäre, wahnsinnig zu werden. Schon lange sei ihm deshalb jeglicher Appetit vergangen. Er könne nichts mehr zu sich nehmen und bei sich behalten könne er auch nichts mehr. Er falle vom Fleisch und wenn das so weitergehe, werde er verhungern, noch bevor er wahnsinnig werde. Er ertrage aber den Anblick von Nahrungsmitteln nicht mehr, es werde ihm übel, wenn er frisches Brot röche. Allein beim Anblick eines gedeckten Tisches drehe sich ihm der Magen um, denn dann müsse er unweigerlich daran denken, wie es wäre, dort, an diesem wunderbar gedeckten Tisch zu sitzen, und aber nichts, gar nichts zu sich nehmen zu können. Also gehe er ins Schlafzimmer, doch auch dort finde er keine Ruhe, denn allein der Anblick des frisch gemachten Bettes verursache heftigen Schwindel, so dass er unweigerlich daran denken müsse, wie es wäre, morgens in diesem Bett zu erwachen und wahnsinnig zu werden. Man könne doch nicht von ihm verlangen, sich freiwillig diesem Irrsinn auszusetzen. Also habe er erwogen, sich von Tisch und Bett zu trennen, er wolle sich nicht täglich vor Augen führen lassen, worauf er verzichten müsse, um nicht wahnsinnig zu werden. Man dürfe sich nicht von den Dingen abhängig machen, dies sei doch leicht einzusehen.

Puskas is afraid of going mad
Puskas is afraid of going mad one day. He couldn’t think of anything else but what it would be like to go mad. For days he had been bothered by the one thought that he would wake up one morning and be insane. Or he’s sitting at dinner and at the drop of a hat he’s going crazy. Just a moment ago he would not have been mad and in the next instant he would be mad. That thought drives him crazy. He couldn’t bear to think about what it would be like to go mad. That is why he has long since lost his appetite. He could no longer eat anything and he could no longer keep anything down. He’s falling off the flesh, and if this continues, he’ll starve to death before he goes insane. But he can no longer stand the sight of food, and it makes him sick when he smells fresh bread. The mere sight of a set table makes his stomach turn, because then he inevitably has to think of what it would be like to sit there, at this wonderfully set table, but not be able to eat anything, nothing at all. So he went into the bedroom, but he couldn’t find peace there either, because the sight of the freshly made bed alone caused severe dizziness, so that he inevitably had to think about what it would be like to wake up in this bed in the morning and go mad. One could not ask him to voluntarily expose himself to this madness. So he considered separating himself from the table and bed, he didn’t want to be shown every day what he had to do without in order not to go mad. One shouldn’t make oneself dependent on things, this is easy to see.

Aus / from: „Puskas fürchtet“

Neues aus dem Tierreich (2)

Hummeln hatten schon immer eine sehr starke Körperbehaarung und haben sich selbst in den heißesten Sommern nie beschwert. Dass sich dieser Tage so viele Menschen über ihre „Corona-Frisuren“ beklagen, halten die meisten Hummeln für Humbug.

News from the animal kingdom
Bumblebees have always had very heavy body hair and never complained, even in the hottest summers. Most bumblebees think it is humbug that so many people are complaining about their “Corona hairstyles” these days.

Mariä Himmelfahrt

Die Protestanten, Ketzer und Häretiker unter Ihnen werden es vermutlich nicht wissen, so sie nicht in Bayern oder anderen rechtgläubigen Regionen ansässig sind, aber heute ist ein hoher katholischer Feiertag. Wie an jedem 15. August fährt auch dieses Jahr, trotz Corona, die Gottesmutter gen Himmel auf. Unter reger Anteilnahme der Gemeinde von St. Gilb in Tittmoning wird die Hl. Jungfrau heute Schlag zehn Uhr von der noch von Wernher von Braun errichteten Startrampe aus in den Himmel auffahren. Danach gibt es wie immer Freibier und Weißwürscht in Schorschi’s Eckkneipe. Hochwürden Dimpflmoser bedankt sich beim katholischen Altjungfernverein für die generöse Spende.

Assumption Day
The Protestants and heretics among you will probably not know if you are not based in Bavaria or other orthodox regions, but today is a major Catholic holiday. Like every August 15th, the Mother of God ascends to heaven this year too, despite Corona. With the active participation of the parish of St. Mold in Tittmoning, the Holy Virgin will ascend to heaven today, stroke ten o’clock, from the launch pad built by Wernher von Braun. Afterwards there is free beer and white sausage in Schorschi’s corner bar, as always. Reverend Dimpflmoser thanks the Catholic Spinster Club for the generous donation.

Wider die Extreme

Es ist so heiß, dass die Welt an ihren Rändern schmilzt. Da bleibe ich doch lieber ein Mann der Mitte.

Against the extremes
It’s so hot that the world is melting on its edges. I’d rather remain a man in the medium.

Aus dem Familienalbum (26)

Meine Cousine Sabine geht allen damit auf die Nerven, dass sie einerseits jede Art von Empfängnisverhütung aus moralischen Gründen ablehnt, andererseits aber bei jedem Besuch ein oder zwei Gelege hinterlässt, die oft erst entdeckt werden, wenn es schon zu spät ist.

From the family album
My cousin Sabine gets on everyone’s nerves since on the one hand she rejects any type of contraception for moral reasons, but on the other hand leaves one or two clutches with every visit, which are often only discovered when it’s too late.

Glück gehabt

Als letztens während Bauarbeiten am Stadtrand eine 10.000-Liter-Flasche Château Pétrus des Jahrgangs 1944 gefunden wurde, die dort in den letzten Kriegstagen von der NSDAP-Ortsgruppe vergraben worden war, um sie vor den anrückenden Amerikanern zu verbergen, entschied der Vorarbeiter kurzerhand, den Wein zu verkosten, bevor seine Leute sich darüber hermachen könnten. Das war eine weise Entscheidung, denn wie sich herausstellte, korkte der Wein und war verdorben. Natürlich waren die Männer enttäuscht, aber der Vorarbeiter spendierte einen Kasten Paulaner-Bier und alles war wieder gut. Zum Glück enthielt die Flasche nicht den Jahrhundertwein-Jahrgang 1945, denn das wäre wirklich eine Tragödie gewesen!

That was a close shave!
When a 10,000-liter bottle of 1944 Château Pétrus was recently found during construction work on the outskirts, which had been buried there by the local NSDAP group in the last days of the war in order to hide it from the approaching Americans, the foreman quickly decided to savour the wine before his people can get over it. It was a wise decision because, as it turned out, the wine was corked and spoiled. Of course the men were disappointed, but the foreman bought a crate of Paulaner beer and everything was fine again. Fortunately, the bottle did not contain the vintage 1945, the vintage of the century, because that would really have been a tragedy!