Wie es wirklich war (27)

Auf Kreta haben Altertumsforscher einen minoischen Briefkasten gefunden, der vermutlich zu einer noch unbekannten Palastanlage gehört. Viele Postfächer enthielten sogar noch ungeöffnete Post, aber es handelt sich ausnahmslos um unbezahlte Rechnungen, Mahnschreiben und Werbesendungen. Die Ursachen für das plötzliche Verschwinden der minoischen Kultur am Ende der Bronzezeit waren bisher weitgehend unklar, aber nun darf man wohl mit Recht annehmen, dass die Minoer pleite waren und sich darum verpisst haben. Nichts verständlicher als das.

How it really was – On Crete, archaeologists have found a Minoan mailbox that probably belongs to an as yet unknown palace complex. Many mailboxes even contained unopened mail, but it was all unpaid bills, reminders and advertising mail. The reasons for the sudden disappearance of the Minoan culture at the end of the Bronze Age were largely unclear until now, but now we can justifiably assume that the Minoans were broke and therefore pissed off. Nothing is more understandable than that.

Neues aus der Botanik (7)

Wie die botanische Fakultät der Volkhochschule Menden mitteilt, werden vermehrt biolumineszente Bäume beobachtet, vor allem weitab von menschlichen Siedlungen. Während bisher nur die wachsenden Städte für die Lichtverschmutzung verantwortlich gemacht werden konnten, finden viele Wildtiere nun auch in der Wildnis keine Ruhe mehr, weil es in vielen Wäldern auch nachts taghell ist. Warum die Bäume diese Fähigkeit entwickelt haben, ist noch unklar, aber manche Botaniker vermuten, dass die Evolution schlicht und einfach verrückt geworden ist.

Botany news – As the botanical faculty of the Menden adult education center reports, bioluminescent trees are increasingly being observed, especially far away from human settlements. While only growing cities could previously be blamed for light pollution, many wild animals can no longer find peace in the wild because many forests are bright even at night. Why the trees have developed this ability is still unclear, but some botanists suspect that evolution has simply gone crazy.

Neues vom Wohnungsmarkt (16)

Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt ist nicht nur für Wohnungssuchende belastend, sondern auch für die wenigen Mietobjekte, die überhaupt noch angeboten werden. Auch eine Wohnung hat Gefühle, aber nicht jeder Vermieter nimmt darauf Rücksicht. Viele Wohnungen zeigen daher die typischen Stressreaktionen wie Materialermüdung, Schimmel und Ausschlag. Bei sehr schlimmer Pustelbildung raten Experten inzwischen zu Kernsanierung oder sogar Abriss.

News from the housing market – The tense situation on the housing market is not only stressful for those looking for a home, but also for the few rental properties that are still available. Even an apartment has feelings, but not every landlord takes this into account. Many apartments therefore show the typical stress reactions such as material fatigue, mold and rashes. If the pustules are very bad, experts now recommend complete renovation or even demolition.

Der ehrliche Erdnusskarli

Man kann dem Erdnusskarli viel vorwerfen, z.B. dass er einen albernen Spitznamen hat oder dass sein Kaffee immer kalt ist, aber was man ihm nicht vorwerfen kann, ist Unehrlichkeit, denn manch anderer würde frech behaupten, die Unterscheidung zwischen food und fisch und chips sei unnötig, aber natürlich wissen wir alle, dass dem nicht so ist. Richtig so, Erdnusskarli!

The honest Peanutcharlie – You can accuse Peanutcharlie of many things, e.g. that he has a silly nickname or that his coffee is always cold, but what you can’t accuse him of is dishonesty, because some people would cheekily claim that the distinction between food and fish and chips is unnecessary, but of course we all know that this is not the case. Well done, Peanutcharlie!

Im Stadtcafé in Wien

Der junge Mann, der hinter der Bar herumwuselt, heißt wie Dr. Frankensteins rechte Hand und bescheinigt mir überaus freundlich ein Talent fürs Zeichnen. Er ist erkennbar kein gebürtiger Wiener, weil er einen schweren Akzent hat und Talent für die leichte Konversation.

At City Café in Vienna – The young man bustling around behind the bar has the same name as Dr. Frankenstein’s right-hand man and very kindly confirms that I have a talent for drawing. He is clearly not a native Viennese because he has a heavy accent and a talent for light conversation.

Haben Sie eine Patientenverfügung?

Weil der Baum nicht nur Diabetiker, sondern auch Kettenraucher war, musste man ihm sämtliche Äste und Blätter amputieren, da kein einziges Zweiglein mehr gesund war. Der arme Baum verlor darob allen Lebensmut und wäre am liebsten gefällt worden, aber weil er beizeiten keine Vorkehrungen getroffen hatte, interpretierten die Förster sein Schweigen als Gleichmut.

Do you have a patient’s provision? – Because the tree was not only diabetic but also a chain smoker, all of its branches and leaves had to be amputated because not a single twig was healthy anymore. The poor tree lost all will to live and would have preferred to be cut down, but because it had not taken any precautions in time, the foresters interpreted its silence as indifference.

Die Polizei bittet um Mithilfe

Wer diese drei Kleinkriminellen gesehen hat, die heute beim Edeka eine Tafel Schokolade haben mitgehen lassen, wird gebeten, sie ihnen, wenn noch möglich wegzunehmen, weil sie eh schon zuviel Zucker essen.

The police are asking for help – Anyone who saw these three petty criminals stealing a bar of chocolate from Edeka today is asked to take it away from them if possible, because they already eat too much sugar.

Man tut, was man kann

Während die Hunde A bis D mit den üblichen Dingen beschäftigt waren, wie Briefträger verbellen, den eigenen Schatten jagen und große Haufen machen, dachte sich Hund E, dass ja auch irgendjemand faul in der Sonne liegen müsse, und genau das machte er dann auch zu seiner und aller anderen Zufriedenheit.

You do what you can – While dogs A to D were busy doing the usual things, like barking at the postman, chasing their own shadows and making big piles, dog E thought that someone had to be lazy and lie in the sun, and that’s exactly what he did, to his and everyone else’s satisfaction.

Im Café Sperl in Wien

Am Abend, kurz bevor das Sperl um Zehn schließt, die Touristen sind weitergezogen, im hintersten Eck sitzt ein junges Paar seit Stunden vor leeren Kaffeetassen, weil es den ganzen Abend mit den Mündern aneinanderklebt, neben dem Windfang kramt ein Verwirrter in seinen drei Plastiktüten nach Dingen, die er wie seinen Verstand schon vor Zeiten verloren hat, die Ober bringen die Welt derweil in Ordnung und schicken einen frühen Nachtschwärmer wieder auf den Weg, da leert man sein Glas und akzeptiert, mehr oder weniger ernüchtert, was man nicht ändern kann, dass nämlich morgen Sonntag ist und das Sperl deswegen geschlossen hat.

At Café Sperl in Vienna – In the evening, just before the Sperl closes at ten, the tourists have moved on, in the furthest corner a young couple has been sitting in front of empty coffee cups for hours because they have been stuck together with their mouths all evening, next to the vestibule a confused man is rummaging through his three plastic bags for things that he lost, like his mind, a long time ago, the waiters are putting the world in order and sending an early night owl on his way, so I empty my glass and accept, more or less sobered, what I cannot change, namely that tomorrow is Sunday and that is why the Sperl will be closed.

Am Tag vor dem Tag danach (5)

Kurz vor Schluss machte die Welt noch einmal ein richtiges Spektakel, aber die meisten Menschen waren so damit beschäftigt, gegen das Unvermeidliche zu wüten, dass sie es nicht bemerkten. Nicht einmal anständig abtreten konnten diese Dummköpfe.

The day before the day after – Just before the end, the world made a real spectacle, but most people were so busy raging against the inevitable that they didn’t notice. These fools couldn’t even abdicate properly.