Gedenktag

Heute vor vier Jahren musste das Alpamare in Bad Tölz schließen. Ich kann nicht sagen, dass ich gerne hingegangen bin, aber als Kind graust einem ja vor gar nix und es gab immer einen kleinen Schatz, den es auf dem Boden der Schwimmbecken zu entdecken galt.

Commemoration Day
Today, four years ago the Alpamare at Bad Tölz had to close. I can not say I enjoyed it, but as a child you do not even mind, and there was always a little treasure to discover on the bottom of the pools.

Pietätlos

Auf dem Friedhof schwirrt und summt es in den Lüften: Mücken, Käfer, Vögel. Auf den Bäumen jagt das Eichhorn Nüssen hinterher, im Gesträuch dräut der Igel, Hummeln besaufen sich am Nektar, Regenwürmer pflügen unter fettem grünem Gras. So viel Leben an einem Ort des Todes, das gehört sich nicht! Schämt Euch!

Impious behaviour
At the cemetery there is buzzing in the air: mosquitoes, beetles, birds. The squirrel chases nuts on the trees, in the bushes the hedgehog lurks, bumblebees are boozing nectar, earthworms plow under greasy green grass. So much life in a place of death, that’s not approbiate! Shame on you!

Goethe hat Geburtstag!

aus meinem Skizzenbuch von 1999

Hurra, Herr Geheimrat! Heute wird er 270 Jahre alt.

Hallo! Kein Grund, abzuheben!

aus meinem Skizzenbuch von 1999

Sag ich doch.

Goethe’s birthday!
Hurray, Mr. Privy Councilor! Today he is 270 years old.
Hello! No reason to take off!
That’s what I’m saying.
(from my sketchbook of 1999)

Berichtigung

Gestern wurde an dieser Stelle eine falsche Behauptung aufgestellt. Die billigste Art der Bestattung auf dem Friedhof von Venedig ist natürlich die Beisetzung der kremierten Leiche in der Trockenabfalltonne (bitte Beutel benutzen). Leerung mittwochs gegen sieben Uhr.

Correction
Yesterday at this point a false statement was made. The cheapest way of burial in the cemetery of Venice is, of course, the burial of the cremated body in the dry waste bin (please use bag). Emptying at seven o’clock on Wednesday.

Für jeden Geschmack etwas dabei

Auf dem Friedhof von Venedig kann der Verstorbene zwischen drei Begräbnisarten wählen: ganz klassisch hinter einer Steinplatte (ist natürlich nicht billig), hinter einer teilweise verglasten Tür aus dem Baumarkt (für alle, die auch nach dem Tode noch Besuch erwarten) oder in einem defekten Kartenfernsprechgerät, wenn man einfach nichts mehr zu sagen hat (preiswerteste Variante).

There is something for every taste
At the cemetery of Venice, the deceased can choose between three burial places: quite classic behind a stone slab (which is of course not cheap), behind a partially glazed door from the hardware store (for those who still expect visitors after death) or in one inoperative card telephone, if you just have nothing left to say (cheapest option).

Schlau

In Venedig hat man offenbar eine Art Boot erfunden, mit dem man zugleich auch die Unterseite des Wasserspiegels befahren kann.

Smart
In Venice, apparently, a kind of boat was invented, with which one can navigate also the underside of the water level at the same time.

Köpfe in Cafés (5)

Am Anfang der Via Garibaldi gibt es diese kleine Bar, die den Vorteil hat, dass dort meistens vom Wasser her ein Wind geht und die Mücken tiefer in die Straße hineinweht. Außerdem ist der Ort nicht schlecht geeignet, um Menschen zu beobachten und zu zeichnen, so z.B. den Mann mit dem langen Hals, die Frau mit der Mickey-Maus-Frisur und die Damen, die ihre Kleider im Wind wehen ließen. Am Tisch nebenan lärmten ein paar angeschickerte, ältere deutsche Lehrerinnen, aber zum Glück nicht lange. Ein Zausel und seine Begleiterin warteten eine gute halbe Stunde schüchtern etwas abseits stehend, bis ein Tisch frei wurde und bestellten vor Freude darüber gleich eine Flasche Wein. Später ersetzten zum Feierabend herausgeputzte Anwohner die vom Nichtstun erschöpften Touristen. Vielleicht ist das Lokal auch so beliebt, weil der Wirt ein bissl Theater macht und der Kellner die in der Hitze dampfenden Gäste zwischendurch mit einer Wasserpistole beschießt.

Heads in cafes
At the beginning of Via Garibaldi there is this little bar, which has the advantage that there is usually a wind coming from the water which blows the mosquitoes deeper into the street. Moreover, the location is not bad for observing and drawing people, e.g. the man with the long neck, the woman with the Mickey Mouse hairstyle and the ladies who let their clothes blow in the wind. At the table next to ours, some older tipsy German teachers were brawling, but fortunately not for long. An old buffer and his companion waited shyly for about half an hour until a table was set free and ordered a bottle of wine for joy. Later, dressed up residents replaced the tourists who were exhausted by idleness. Maybe the place is so popular, because the host knows to act up and the waiter likes to shoot at the sweltering guestes with a water gun.

Vorbild Venedig

Nur einen Tag nach der Wahl Ursula von der Leyens zur Königin von Europa reagierte Sig. Albert Gardin, der selbsternannte 121. Doge der Republik Venedig, welche freilich seit 1797 nicht mehr besteht, und gratulierte der Deutschen zu ihrem Erfolg, nicht ohne der Hoffnung Ausdruck zu geben, ihre Herrschaft werde die letzte sein und zu einer vom Atlantik bis zur Beringstraße reichenden Konföderation aller europäischen Nationen führen. Dann wird noch ein bissl gejammert über die illegitime Besetzung Venedigs durch Franzosen, Deutsche und das sog. „Italien“ und über transatlantische Hegemonie, trotz derer die Republik lebendiger und aktiver sei denn je. – Mögen sich die deutschen Reichsbürger, die österreichischen Staatsverweigerer, die amerikanischen Sovereign citizens und alle anderen rechtsextremen Spinner an diesem wackeren Separatisten aus der Lagune ein Vorbild nehmen! Sie sind und bleiben zwar politische, intellektuelle und ästhetische Vollpfosten, aber wie man sieht, lässt sich Wahnsinn durchaus mit Charme vereinbaren.

Model Venice
Only one day after the election of Ursula von der Leyen as Queen of Europe, Sig. Albert Gardin, the self-appointed 121st Doge of the Republic of Venice, which of course no longer exists since 1797, responded and congratulated the German on their success, not without to express the hope, that their rule would be the last and would lead to a confederation of all European nations extending from the Atlantic to the Bering Strait. Then there is a bit of moaning about the illegitimate occupation of Venice by Frenchmen, Germans and the so-called „Italy“ and also about transatlantic hegemony, despite which the republic is livelier and more active than ever. – May the German Reich citizens, the Austrian state objectors, the American sovereign citizens and all other far-right spinners take a role model in this noble separatist from the lagoon! Although they are and will remain political, intellectual and aesthetic douche bags, lunacy can be quite charming, as you can see.