Hello again, Jeffrey Toobin!

Sie sind ein US-amerikanischer Publizist und auch hiesigem Publikum vor allem dadurch bekannt geworden, dass das Magazin New Yorker Sie entlassen hat, nachdem Sie im Oktober letzten Jahres während einer Zoom-Konferenz, im Glauben, die Kamera sei ausgeschaltet, masturbiert haben. Nun sind Sie als Talking Head zu CNN zurückgekehrt. Dort bekannten Sie sich offen zu Ihrem Vergehen, versicherten jedoch, seither versucht zu haben, „ein besserer Mensch“ zu werden, dem man „wieder vertrauen“ könne, weshalb Sie u.a. bei einer Tafel arbeiten und sich in Therapie begeben haben. Gegen beides ist nichts einzuwenden, allerdings scheint es, als möchten Sie so verstanden werden, dass der Drang, sich während einer langweiligen Zoom-Konferenz mit Masturbation zu entspannen, etwas sei, das der Therapie bedürfe. Nun lieben die Amis ja nichts mehr als den reuigen Sünder, doch wenn dies wirklich das ist, was Sie ihnen verkaufen wollen, möge Ihnen, Sie Heuchler, die rechte Hand verfaulen! Völlig entspannt: Titanic

Hello again, Jeffrey Toobin! – You are an American publicist and best known to local audiences for being fired by New Yorker magazine after you masturbated believing the camera was off during a Zoom conference last October. You have now returned to CNN as a Talking Head. There you openly confessed to your offense, but assured you that you have since tried to become “a better person” who can be “trusted again”, which is why you worked at a food bank and went into therapy. Now there is nothing wrong with either, but it seems like you want to be understood that the urge to relax with masturbation during a boring zoom conference is something that needs therapy. Now the Americans love nothing more than the repentant sinner, but if this is really what you want to sell them, may your right hand rot, you hypocrite! Completely relaxed: Titanic

(Erschienen / published in Titanic 8/2021)

Aha, Bora Lüftungstechnik!

Du bist ein oberbayerisches Unternehmen, das Kochfeldabzugsysteme entwickelt, und du bewirbst deine Produkte mit dem auch historisch interessanten claim, diese würden „aus Küchen echten Lebensraum“ machen. Wenn das der Führer gewusst hätte, wärst heute nicht du der Vorreiter in Kochfeldabzugsystemen, sondern das Unternehmen Barbarossa. Gruß aus der verqualmten Kombüse: Titanic

Aha, Bora ventilation technology! – You are an Upper Bavarian company that develops cooktop extractor systems, and you advertise your products with the also historically interesting claim that they would „turn kitchens into real living space“. If the Führer had known, you would not be the pioneer in cooktop extractor systems today, but the Barbarossa company. Greetings from the smoke-filled galley: Titanic

Erschienen / published in Titanic 5/2021

Hallo ESL Sprachreisen!

Im November 2010 haben wir dich schon einmal gefragt, wer denn eigentlich bei dir bucht?
Du hast uns leider nie geantwortet. Aber dank deiner aktuellen Anzeige wissen wir es nun endlich: Alle, die während der Pandemie „nach USA“ reisen wollen. Sprachlos: Titanic

Hello ESL Language trips! – In November 2010 we asked you who is actually booking with you? Unfortunately, you never answered us. But thanks to your current ad, we finally know: everyone who wants to travel „after USA“ during the pandemic. Speechless: Titanic

(ESL sounds like ‚donkey‘ in German)

Erschienen/published in Titanic 4/2021

Wie zu erwarten war

Als es ans Sterben ging und mein ganzes Leben wie ein Film vor mir ablief, wurde es plötzlich dunkel, ausgerechnet an der spannendsten Stelle: Filmriss! Eh klar, dass bei einem alten Sack wie mir auch diese Technik veraltet ist. Jetzt muss ich nicht nur weiterleben, sondern werde auch nie erfahren, wie es ausgegangen wäre.

As it was to be expected – When it came to dying and my whole life ran like a film in front of me, it suddenly got dark, of all things at the most exciting point: blackout! It’s clear that with an old sod like me this technology is out of date. Now not only do I have to go on living, but I will never know how it would have turned out.

Erschienen / published in Titanic 3/2021

Geschickt, Google!

In deiner Online-Kampagne legst du einer jungen blonden Frau, die so tut, als würde sie von dir gefragt, was sie sich wünsche, die Antwort in den Mund: „Ich wünsche mir, dass mit meinen Daten verantwortungsvoll umgegangen wird.“ Die junge Dame hat also schon akzeptiert, dass du über ihre Daten verfügst. Andere würden nun fragen, von welchen Daten die Rede ist und was dir eigentlich einfällt, aber solche Leute verwenden vermutlich immer noch Yahoo und verbreiten nur schlechte Laune. Da ist es doch besser, mit einer strahlenden jungen Frau zu werben, die dir sofort glaubt, dass du ihren naiven Wunsch erfüllen wirst, nicht wahr? Nimmt dir die Verantwortung gerne ab: Titanic

Clever, Google! – In your online campaign, you put the answer in the mouth of a young blonde woman who pretends to be asked what she wants: „I wish that my data will be handled responsibly.“ So the young lady has already accepted that you have her data. Others would ask what data you are talking about and how you dare, but such people probably still use Yahoo and just spread their bad mood. It is better to advertise with a radiant young woman who immediately believes that you will fulfill her naive wish, isn’t it? Likes to take responsibility off you: Titanic

Erschienen / published in Titanic 3/2021

Du, McKinsey & Company,

bist eine milliardenschwere Unternehmens- und Strategieberatung und veranstaltest im Februar ein „virtuelles Event für Studierende und Promovierende aller Fachrichtungen“, bei dem „die Teilnehmer zusammen mit erfahrenen McKinsey-Berater(inne)n alle Phasen eines typischen Beratungsprojekts – von der Problemstrukturierung bis hin zur Abschlusspräsentation“ durchlaufen. Dabei bekommen die angehenden Strategen dann vermutlich einen Einblick in ein typisches Projekt wie Entlassungen, Verkaufsförderung von harten Drogen wie Oxycontin oder Unterstützung Saudi-Arabiens bei der Identifikation und Verfolgung von Oppositionellen. Die Abschlusspräsentationen auf dem Job-Center, der Bahnhofstoilette und unter dem Galgen dürften interessant werden. Immerhin bist du so ehrlich und nennst dein Event „Spuren hinterlassen“. Nachwuchsprobleme wirst du daher keine haben, denn geldgeile und gewissenlose Psychopathen, die Spaß daran finden, Spuren der Verwüstung zu hinterlassen, gibt es leider reichlich. Rät dir nichts und das umsonst: Titanic

You, McKinsey & Company, – are a multi-billion dollar corporate and strategy consultancy and are organizing a “virtual event for students and doctoral candidates of all disciplines” in February, in which “the participants, together with experienced McKinsey consultants, can go through all phases of a typical consulting project – from problem structuring to Final presentation”. The budding strategists will then probably get an insight into a typical project such as layoffs, sales promotion of hard drugs such as Oxycontin or support of Saudi Arabia in the identification and persecution of opposition members. The final presentations on the job center, the train station toilet and under the gallows should be interesting. After all, you are so honest and call the event “Leave Your Mark”. You will therefore have no problems to find future junior staff, because there are unfortunately plenty of money-hungry and unscrupulous psychopaths who enjoy leaving traces of devastation. Don’t advise you and does it for free: Titanic

Erschienen / published in Titanic 2/2021

Abgestürzt

Da der Mond zur Zeit als Statist in romantischen Komödien wenig gefragt ist, verdient er sich ein Zubrot als Hochseilartist. „Ich bin es ja gewöhnt, in der Höhe zu arbeiten, das ist nicht das Problem. Aber immer wieder klauen mir ein paar Halbstarke die Münzen aus dem Hut und bis ich unten bin, sind die schon über alle Berge.“

Fallen – Since the moon is currently in little demand as an extra in romantic comedies, she earns extra income as a tightrope artist. “I’m used to working at heights, that’s not the problem. But again and again a couple of youngsters steal the coins out of my hat and by the time I get down they’ll be over the mountains.“

Erschienen / published in Titanic 2/2021

Die letzte Grenze

Worüber der Deutsche Alpenverein kaum ein Wort verliert, weil es ihm so peinlich ist: Die Kirchturmspitze, der letzte unbestiegene Gipfel der bayerischen Alpen, der so heißt, weil er halt so aussieht, ist neulich dann doch erobert worden, und zwar von einem japanischen Touristen, der sich dessen gar nicht bewusst war. Der alte Untermoser Sepp hat es aber schon immer gesagt. „Buam!“, hat er gesagt, „Wenn ich nicht schon so klapprig wäre, dann hätt ich die Spitze schon längst genommen!“ Aber die Jungen haben ihn nur ausgelacht. „Ja freilich, Sepp!“ haben sie ihn aufgezogen. Aber alle waren sie zu feige, die Steilwände in Angriff zu nehmen. Bis dann eben der Japaner kam und zufällig entdeckt hat, dass im Inneren des Berges eine vom Wasser ausgewaschene Treppe bis auf den Gipfel führt. Der DAV sagt, dass das keine richtige Erstbesteigung sei und man einen Berg schon von außen bezwingen müsse und auch der alte Untermoser Sepp sagt etwas Ähnliches, aber es hört schon niemand mehr zu.

The final frontier
What the German Alpine Association hardly says a word about because it is so embarrassing: The top of the Church Tower, the last unclimbed peak in the Bavarian Alps, which is called like that because it looks like that, was recently conquered by a japanese Tourist who wasn’t even aware of it. The old Untermoser Sepp has always said it. “Boys!” he said, “If I weren’t already so rickety, then I would have taken the summit long time ago!” But the boys just laughed at him. „Yes, of course, Sepp!“ they teased him. But they were all too cowardly to tackle the steep walls. Until the Japanese came and discovered by chance that inside the mountain a staircase washed out by the water leads to the peak. The Alpine Association says that this is not a real first ascent and that you have to conquer a mountain from the outside and the old Untermoser Sepp says something similar, but nobody is listening anymore.

Erschienen / published in Titanic 1/2021

Und übrigens, Mr. Bond!

Nun wurde also der Start Ihres neuesten Films erneut verschoben. Wäre es dann nicht sinnvoll, den Titel entsprechend zu ändern? Also zum Beispiel „Keine Zeit, ins Kino zu gehen“ oder besser noch „Keine Zeit für den Quatsch“. Geschüttelt: Titanic

And by the way, Mr. Bond!
So now the start of your latest movie has been postponed again. Wouldn’t it make sense then to change the title accordingly? For example, “No time to go to the cinema” or, better yet, “No time for nonsense”. Shaken: Titanic

Erschienen / published in Titanic 12/2020

Großartig, Mr. Connery!

Dass Sie noch vor dem Start des neuen Bond-Filmes „Keine Zeit zu sterben“ tatsächlich sterben, ist vermutlich die Sorte schottischer Humor, den die Engländer so lieben. Gerührt: Titanic

Great, Mr. Connery!
That you actually die before the start of the new Bond film „No Time to Die“ is probably the kind of Scottish humor that the English love so much. Stirred: Titanic

Erschienen / published in Titanic 12/2020